Das Norovirus

Allgemeine Informationen und Entdeckung

Winter um Winter geht die Angst in den dann kalten Regionen der Erde umher  – dann wird es traditionell Zeit für den gefürchteten Norovirus. Wenngleich die Erkrankung das ganze Jahr über ausbrechen kann, nimmt die Anzahl der Ausbrüche üblicherweise ab September leicht zu und erreicht ihr Maximum in den Monaten Januar bis März. Diese reguläre Saisonalität bestätigt sich vor allem immer wieder in Krankenhäusern und Altenheimen.

Die Noroviren, welche zur Gattung der Caliciviren gehören, sind auf der ganzen Welt verbreitet und für den Großteil der nicht bakteriellen Fälle von Gastroenteritis – besser bekannt als Magen-Darm-Grippe – verantwortlich.
Da der Norovirus im höchsten Maße infektiös ist, scheint ein Entkommen nur schwer möglich. Bereits winzigste Mengen können zu einer Ansteckung führen. Diese erfolgt im Falle der Noroviren fäkal-oral. Das bedeutet, die Viren gelangen durch den Mund in den Organismus. Zudem können die Noroviren durch die Luft übertragen werden. Die Viren gelangen demzufolge nicht wie andere Erreger in die Blutbahn, sondern greifen vielmehr auf aggressive Art und Weise die Magen- und Darmschleimhäute an. Infolgedessen zeigen sich die ersten typischen Symptome bereits nach sechs bis 48 Stunden.

Dies führte in der Vergangenheit bereits häufig zu  Epidemien. Die letzte größere Aufmerksamkeit in den 2010er Jahren wurde dem Norovirus zuteilt, als sich im September 2012 mehrere tausend Kinder in vier ostdeutschen Bundesländern über das Schulessen mit dem Virus infizierten. Auch auf zwei Kreuzfahrtschiffen steckten sich Ende 2012 gleich mehrere hundert Passagiere sowie die jeweiligen Besatzungen mit dem Norovirus an. Im Winter und Früjahr 2013/14 waren sogar mindestens 3 Kreuzfahrtschiffe betroffen.
Im Winter 2012/2013 gab es deutschlandweit annährend 140.000 gemeldete Infektionen mit dem Norovirus. Mindestens 48 Tote mussten die Gesundheitsämter- und ministerien der verschiedenen Bundesländer dabei bilanzieren.
Leider ist es keine Seltenheit mehr, das sich diese Rekordstände innerhalb der verschiedenen Länder von Jahr zu Jahr erhöhen. Im Jahr 2018 erhöhte sich die Fallzahl der an Noroviren erkrankten Menschen um etwa 11% gegenüber 2017.

Auch für 2023 wird ein neuer Magen-Darm-Infektions-Rekord prognostiziert, denn die Erreger gelten gegenwärtig als häufigste Gruppe bei virusbedingten Magen-Darm-Erkrankungen.

Der exakte Entstehungszeitpunkt der Noroviren ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar und liegt vermutlich bereits mehrere Jahrhunderte zurück.
Vor mehr als 75 Jahren wurden jedoch die Symptome erstmals als Krankheitserreger beschrieben, welche aus der Familie der Caliciviren stammen und den sogenannten Winter Vomiting Disease („Winter-Erbrechen“) durch eine Gastroenteritis, einer Entzündung der Schleimhäute von Magen und Dünndarm, bewirken. Auf dieser Grundlage beschäftigten sich Wissenschaftler sodann ab 1940 erstmals mit den Ursachen der viralen Gastroenteritis.

Der tatsächliche Ursprung des Noro-Virus geht dagegen jedoch erst auf das Jahr 1968 zurück, als etwa 350 Lehrer und Schüler und damit 50 Prozent der Anwesenden sowie rund ein Drittel der Familienangehörigen aus Norwalk (USA) innerhalb von 48 Stunden an heftigem Brechdurchfall erkrankten.
Ein Erreger mit bakteriellem Hintergrund konnte dabei hingegen nicht nachgewiesen werden. Auch deshalb wurde der Krankheitserreger zu der damaligen Zeit als „Norwalk-ähnlicher“ Virus bezeichnet. Den Grund dafür konnten Wissenschaftler jedoch erst vier Jahre später durch elektronenmikroskopische Untersuchungen erforschen.
Der Krankheitserreger, ein rund 27 nm großer Viruspartikel, erhielt zunächst den Namen Norwalk-Virus und gilt seither als häufigste Ursache von Erkrankungen verbunden mit Durchfall und Erbrechen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser usw.

Seit 2002 sprechen Viren-Forscher in diesem Zusammenhang vom Norovirus.
Inzwischen haben Wissenschaftler feststellen können, dass der Virenstamm eines durchschnittlichen Viruskörper dieser Art einen Durchmesser von 28-35 nm hat und einzig mithilfe eines Elektronenmikroskops zu erkennen ist.
Zudem ist bekannt, dass Noroviren einzelsträngige RNA-Viren sind, zahlreiche, bekannte Unterklassen besitzen, sich ihrer direkten Umwelt anpassen können und genetisch variabel sind.
Die Viren zeigen mikroskopisch eine eher rundliche Struktur und haben ein ikosaedrisches Kapsid. Weiterhin können die Noroviren auf den verschiedensten Gegenständen bis zu zwei Wochen sogar unter den extremsten Temperaturschwankungen von -20 bis 60 Grad Celsius standhalten.

Übertragung und Ansteckung

Der Norovirus gehört inzwischen zu den häufigsten Ursachen viraler Magen-Darm-Erkrankungen, da er sich auch außerhalb eines Körpers über Gegenstände, Nahrungsmittel und Bekleidung übertragen kann. Aufgrund seiner Resistenz können ihm auch Desinfektionsmittel sowie Umwelteinflüsse nichts anhaben.

Unmittelbar nach der Übertragung dringen die Erreger des Norovirus in die Zellen der Darmwand ein und bewirken so eine rasche und überdies massenhafte Produktion neuer Viren. Durch das intensive Einfließen von Flüssigkeit in das Innere des Darms entstehen folglich Durchfall sowie Erbrechen als Abwehrreaktionen des eigenen Körpers.

Die extrem infektiösen Noroviren übertragen sich meist von Mensch zu Mensch, über Hände oder auch den Kontakt mit kontaminierten Gebrauchsgegenständen sowie verunreinigtes Wasser oder auch Lebensmittel.
Die Infektion selbst geschieht dabei über eine perorale Aufnahme der Viren. Bei dem für die Noroviren üblichen explosionsartigen Erbrechen kommt es zudem zu einer Bildung von feinen, schwebenden Tröpfchen, einer sogenannten Aerosolisation von Viren. Die Noroviren können so auch über weitere Distanzen getragen werden. Die Person-zu-Person Übertragung spielt in diesem Zusammenhang die wesentlichste Rolle.

Bei der lebensmittelbedingten Übertragung werden dagegen drei Kontaminationsarten unterschieden:
1. Infektion durch primär kontaminierte Lebensmittel, wie etwa Austern oder rohe Schalentiere,
2. die direkte Kontamination von Lebensmitteln durch Personen, welche die Viren ausscheiden,
3. sowie die sekundäre Kontamination, bei der Früchte- und Gemüsesorten mit Wasser, welches mit Noroviren belastet ist, abgespült oder gewaschen werden.

Eine Übertragung ist hierbei demnach vor allem im Bereich Rohkost oder auch derjenigen Lebensmittel, welche nicht bei mindestens 90 Grad Celsius erhitzt werden, möglich. Denn erst ab der genannten Temperatur können die möglichen Noroviren an oder in potentiellen Lebensmitteln inaktivert werden. Insbesondere öffentlich zugängliche Institutionen wie Pflege- und Altersheime, Universitäten, Schwimmbäder, Mensen oder auch andere Einrichtungen sind mit einem enorm hohen Ausbruchsrisiko belastet: Hier stehen Personal und Bewohner/Besucher in engem Kontakt und es besteht zumeist eine enorme Personendichte.

Der epidemische Verlauf zeichnet sich zu Beginn meist mit nur einigen wenigen Erkrankten aus. Werden keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen, kann es zu einer rasanten Entwicklung kommen.

Symptome

Die Phase, in der die ersten Symptome durch den Norovirus hervorgerufen werden, beginnt bereits ab einer aufgenommenen Menge von mindestens zehn bis 100 Einheiten des Erregers sowie einer entsprechenden Inkubationszeit von zwölf bis 48 Stunden. Die ersten Erscheinungen zeigen sich in dem bereits beschriebenen explosionsartigen Erbrechen und einem starken Durchfall. Die Häufigkeit und das Ausmaß vor allem des Erbrechens sind dabei ausschlaggebend für eine Infektion mit Noroviren.
Aus diesem Grund kann diese Art der Gastroenteritis ganz klar von anderen inneren Erkrankungen differenziert werden. Die Symptome werden oftmals begleitet von Muskel-, Bauch- und Kopfschmerzen, quälenden Krämpfen, einer meist anhaltenden Übelkeit sowie einem starken Erschöpfungsgefühl. In einigen wenigen Fällen kann die betroffene Person auch mäßiges Fieber bekommen.

Beim Erbrechen und Stuhlgang kann es zu einem folgenschweren Flüssigkeitsverlust und Schwankungen im Elektrolythaushalt kommen. In seltenen Fällen kann dies sogar zum Tode führen. Vor allem bei Kindern, Schwangeren oder auch älteren Menschen mit Vorbelastungen (z.B. Diabetes) kann der Virus häufig zu Komplikationen führen.
Generell zeichnet sich die Erkrankung jedoch durch eine Selbstlimitierung aus und dauert durchschnittlich zwischen zwölf und 72 Stunden. Dennoch bleiben erkrankte Personen mindestens die folgenden zwei bis drei Tage nach dem Abklingen der Symptome mit den Krankheitserregern behaftet.

Symptome Im Überblick:

– Übelkeit
– plötzliches Erbrechen
– plötzlicher Durchfall
– Muskel-, Bauch- und Kopfschmerzen
– Fieber
– Erschöpfungsgefühl
– Blut im Stuhl

Bitte zögern Sie nicht und suchen Sie bei entsprechenden Symptomen umgehend den Arzt auf!

Therapie & Sofortmaßnahmen

Auch ein unnötiger Kontakt sollte, wenn möglich, vermieden werden. Vor allem das Händewaschen nach dem Nutzen öffentlicher Toiletten oder Räumlichkeiten sollte selbstverständlich sein.

Sollten als Ursache kontaminierte Speisen oder Getränke infrage kommen, sollten die empfohlenen Maßnahmen schnellstens eingeleitet werden, denn bereits beim Eintreten geringster gastrointestinaler Beschwerden – sprich Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes – besteht eine akute Ansteckungsgefahr. Um den Noroviren vorzubeugen, sollte darüber hinaus der Kontakt mit Erkrankten (hier vor allem mit Erbrochenem bzw. Stuhl) auf das Mindeste begrenzt werden, denn selbst wenige virushaltige Tröpfchen des Erkrankten reichen bereits aus, um sich selbst zu infizieren.

Auch die Desinfektion der Hände, Räumlichkeiten und Oberflächen sowie das Reinigen der genutzten Textilien betroffener Personen bei 95 Grad Celsius sind unerlässlich, denn Noroviren bleiben in der Wäschetrommel besonders hartnäckig, sodass beim Waschen mit 30 Grad Celsius die Wäsche zwar sauber, aber nicht keimfrei wird. Um ebenfalls eine Übertragung durch die zuvor angemerkten, kontaminierten Speisen zu vermeiden, wird weiterhin empfohlen, vor allem Fischgerichte oder Meeresfrüchte nur gut durchgegart zu verzehren.

Eine bereits infizierte Person sollte während der akuten Erkrankungsphase, bei der die Ansteckungsgefahr nachgewiesen am größten ist, zudem strikte Bettruhe einhalten und den Kontakt mit anderen auf das Möglichste einschränken. Angehörigen respektive Mitbewohnern wird dazu geraten, die erkrankte Person isoliert unterzubringen. Hierbei wird vor allem das Nutzen eines eigenen Zimmers (mit WC) beziehungsweise die Kohortenisolierung empfohlen.

Die tatsächliche Therapie beschränkt sich grundsätzlich vor allem auf den Ausgleich des Mineralsalz- und Flüssigkeitsverlustes, denn bei dieser Art von Durchfällen nimmt der Dickdarm folglich die Mineralsalze nicht mehr auf und überdies wird der Stuhl nicht weiter eingedickt. Bei Erwachsenen reicht dabei zumeist das vermehrte Trinken von Mineralwasser, Tee oder Fruchtsaft aus. Bei Kindern hingegen sollte der große Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust zudem durch eine Glucose-Elektrolyt-Lösung ausgeglichen werden. Diese orale Rehydrationslösung in Form einer WHO-Trinklösung ist in der Regel in jeder Apotheke erhältlich.
Die Mortalitätsrate bei einer Norovirus Infektion liegt bei unter 0,1%, wobei 70-80% über 80 Jahre sind. Davon ausgehend kann man sagen, dass besonders älteren Menschen ein größeres Augenmerk bei der Therapie zukommt.

Therapiemaßnahmen im Überblick:

– intensive Körperhygiene
– Bettruhe
– viel trinken: Tee, Wasser und Fruchtäfte
– eventuell Gabe von Glucose-Elektrolyt-Lösung
– vermeiden von unnötigen Kontakten mit anderen Personen
– Desinfektion von Räumen, Personen, Textilien usw.
– erkrankte Personen isoliert unterbringen